Ein Wagen für Harry

HarryWir Alten erinnern uns: Tappert wepperte. Früher nannte man das Kriminalfilm im TV, heute nennen wir es kriminelle Zumutung, bloß weil man freitags nichts Besseres vorhat. Harry wepperte, Horst tappte nie im Dunkeln, und wenn er wieder einmal schwer am Begriff war, hochprosperitäre Tiefen im Mekka der Schickeria im Umkreis des weißen Äquators ans Rechte Licht zu rücken, eh wurscht, dann war auch Harry zur Stelle. Ebenso unbelegt wie legendär damals, rechtens für Recken mit teutscher Vergangenheit: „Harry fahr den Wagen vor.“

Heute durfte ich Harry kennen lernen. Als Sympathisant Alter Schweden treibt es mich daher zeitweise sozusagen in den Hohen Norden, stets auf der Suche, im Zuge meiner Wanderungen auch bisweilen sesshaft zu werden. Dabei traf ich Harrys Zeitgenossen, die sich mit sonderbaren Namen wie Nørd, Swånsk, Døbel und dergleichen schmücken, kam mit ihnen kurz ins Gespräch, und wir fanden bald heraus, dass wir uns nicht wirklich verstanden, weniger ein Stück des Weges miteinander zu gehen (auch jener kannte Schweden), als sich für eine Zeit lang gemeinsam niederzulassen. Ganz anders Harry: Beinahe scheu stand er neben Swånsk, begehrte auch kaum Aufmerksamkeit, und seine Diskretion um seine Qualität als potentieller Partner – doch – zwar nicht schon wieder aufbrechen zu müssen, sondern sich am Weg niederzulassen, machte mich neugierig. Sein Äußeres erinnerte mich spontan an niemanden, und das ist doch interessant, oder?

Harry spricht eigentlich gar nicht. Anfangs kleidete er seinen Charme sogar noch in spröder, wohl oktroyiert-unscheinbarer Verpackung, von der ich jedoch annahm – zu Recht – wie sich später herausstellen sollte – dass sie seinem Schutz vor Widrigkeiten der oben genannten Haudegen dienen sollte. Auch ohne zu sprechen verstanden wir uns recht gut, und so lud ich ihn ein, mit mir doch ein Stück des Weges zu gehen, um danach in freundschaftlicher Kollegialität ein Stück Zeit der Sesshaftigkeit miteinander zur verbringen: Still. Unberedt.

Nørd, Swånsk und Døbel goutierten diese neue Bekanntschaft zwar gar nicht, aber meine Entscheidung war gefallen: „Wagen, hol den Harry ab.“ (wfr)

7 Kommentare
  1. Rauscher Dagmar sagte:

    Harry oh Harry !!!

  2. Es war schön, samstagabends Harry kennenlernen zu dürfen. Ich denke, dass er sich in der neuen Umgebung wohlfühlt. Fast wie ein Alteingesessener stand er da und beäugte begehrlich die anderen Gelegenheiten, auf denen wir Gäste herumrutschen durften. Ich denke, er wird noch viel Spaß haben, der alte Schwede!

    • Naja, ein beneidenswertes Leben steht ihm ja wohl nicht bevor: Alle, die sich mit ihm abgeben, sind übel beleumundet.

  3. Peter Weber sagte:

    smØrrebrØd og Odin, kjempetull alt det der …
    aber den Harry mochte ich schon immer gut leiden, war er doch immer im Wagen gefangen, leider … leiden solche besonders leidlich …

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