Aus Brockrauschers Weltgeschichte II

UnknownNacktwandern
Inspiriert kürzlich durch Neuigkeiten vom Berg

 

 

nacktwandern-kein-neuer-trendVon Gipfelstürmern
und Zipfelschwingern

Einst galten sie als Helden. Als unsere Welt noch jung war, eroberten wilde Recken, ganz in schwere Rüstungen gekleidet und furchtlos jedem Feind ins Auge blickend, bislang noch nie dagewesene Schätze, die sie erst ihren angebeteten Jungfrauen darbrachten und dann, als diese unter der Last des Geschmeides, das sie ihnen umgehängt hatten, zusammenbrachen und bald, ermattet, und daher jeder Lust bar, sich in die Kemenaten schleppen zu lassen, auch ausgestorben waren. So blieb den Recken nur eines, wissend, dass die Stunde auch für ihr Geschlecht bald schlagen würde: Flink horteten sie alle ihre Schätze in den Höhlen der hohen Berge ihres Landes und bestellten ausgewählte des Volkes zu den Wächtern all des Goldes und der Edelsteine, die sie angesammelt hatten. Jene, meist klein von Wuchs und die sich, damit man sie besser erkennen konnte, bunte Zipfelmützen aufsetzten, sollten fortan die Herren über den Schatz der Titanen werden.

So vergingen die Jahre und niemand erinnerte sich mehr an die einstigen Herrscher über die Welt und deren sagenhaften Reichtum. Nur die Zwerge, erkennbar an ihren bunten Zipfeln, wussten noch darum, doch sie behielten ihr Geheimnis für sich.

Und so war es nur eine Frage der Zeit, als sich junge Männer fanden, die dem Treiben der Zwerge ein Ende bereiten wollten und riefen: „Wohlbehütet mögt ihr sein, eure Zipfel leuchten schon von weitem, doch eure Zeit ist nun gekommen! Auch wir haben Zipfel, bloß war tragen diese nicht auf unseren Köpfen! Gar lange habt ihr uns verboten, diese der Welt zu zeigen! Damit soll nun Schluss sein!“ Und so entledigten sie sich ihrer Kleider und bestiegen, nur mit festen Wanderschuhen bekleidet aber festen Schritts, den Gipfel des höchsten Berges im Land, auf dass man sie weithin sehen konnte, ihre Zipfel. Auch deren Mägdelein waren von den neuen Zipfelträgern begeistert, und so folgten sie den Gipfelstürmern, wo sie neugierig die bärige Pracht hoch oben auf dem Berg betrachteten.

War das ein Hallo und wohl auch Frohsinn, der sich fortan in den luftigen Höhen breit machte, denn die Gipfelstürmer verwandelten sich alsbald in wahr- und mannhafte Zipfelschwinger, dass es den Mägdelein nur so ihre Freude war und die trugen wohl das ihre dazu bei …

Doch was geschah mit den Zwergen, jenen boshaften Zeitgenossen, die so sorgsam ihr Geheimnis bewahren wollten? Sie flohen aus dem Land der Zipfelschwinger, wie man es fortan nannte, hinab in die Niederungen der Philister, die sittsam in kleinen Gärten hausten und eifersüchtig bedacht waren, dass ihnen nur ja kein Nachbar ihr Blumenbeet streitig mache. Gerne nahmen diese die Zwerge auf, und so dauerte es nicht lange, bis sie alle ihren Garten gefunden hatten und ihre wachsamen Augen nicht abwandten von den seltsamen Blüten, die hier trieben.

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