1000 Meisterwerke Vol. III

Lernardo da Vinci, Donna Lisa

Das Bild entstand 2010, als ich im Zuge eines Wettbewerbes, sich in Form eines Selbstbildnisses darzustellen, das meine dem Landesmuseum NÖ zur Verfügung stellte.

63805_1423486428698_1278853102_2975504_5498902_nMit Donna Lisa beobachtet Lernardo da Vinci den lasziven Blick der Vertreterin des Schönheitsideals aus dem 15. Jhdt. auf die Verehrer ihrer Epoche im ausgehenden Mittelalter, als der Geist des hohen Minnesangs der Begierde eines damals neuen maskulinen Selbstbewusstseins Platz machte und damit nicht nur der Darstellung popularkultureller Neigungen Tür und Tor zu öffnen begann. Donna Lisa als Sinnbild zum Ausleben der modernen Lust, Donna Lisa, dargestellt mit souveränem Blick einer durchaus modernen Frau ihrer Zeit, welche die bewundernden Melodien, wie sie die Spatzen begannen, von den Dächern zu pfeifen, anstatt lyrischen und langatmigen Gedichten zu lauschen, die in der Botschaft ihrer Verfasser nicht auf den Punkt kommen wollten, großzügig gewähren lässt.

Damit gibt der Künstler auch Einblick in sein umfassendes Weltbild, leitet es sich zwar ab vom Zentrum seiner und der Begierde seiner männlichen Zeitgenossen, hinauf vom Äquator des volkstümlichen Verständnisses bis knapp südlich der zerebralen, bislang noch nicht erforschten Märchenhaftigkeit der Vielfalt des Daseins. Galt bis zum Zerfall des römischen Imperiums der menschliche Äquator als Sinnbild jeglicher Existenz, verlagerte sich dieser mit dem Einsetzen großen Völkerwanderungen imperialistischen Zuschnitts, durchwegs aus dem Norden Roms einfallend und die Ewigkeit des Zentrums menschlicher Zivilisation abrupt beendend, zunehmend und symbolisiert durch die Darstellung zeitgenössischer Künstler und in der Erinnerung an längst vergangene hannibalensiche Trampelpfade in ihrer Reziprozität folgend, alpenwärts. Ein schrecklicher Gedanke zu seiner Zeit, galten sie und ihre Pässe doch quasi als steinerne Vorhänge zwischen südlicher Zivilisation und nördlichem Barbarentum, wie uns die Geschichte auch späterer Epochen lehren würde.

Donna Lisa, positioniert im Zentrum zeitgeistiger Irrtümer ihrer Tage, jedoch erkennt das verwerfliche Szenario, in das sie hineingeboren wurde, lüpft zum Trotz schelmengleich ein frühes Dekolleté. Auch ihr „Io tu profumo“, das der Künstler stilistisch in krassem Gegensatz zur pastoralen Darstellung eines vor kurzem noch friedvollen ruralen Ambientes im Hintergrund seines Modells herangezogen hatte, lässt die neuen Reize urbanen Lebens, das den wandernden Gauklern fortan ebensolche Kompetenz verleihen soll, bereits erahnen. Er fasst quasi mit einem Pinselstrich zusammen, bringt das Dasein im modernen Lebensgefühl der alpinen Spaßgemeinschaft zeitgeistig auf einen zentralen Punkt und nimmt somit die kommenden Jahrhunderte bereits jetzt visionär im später nach ihm benannten Olfaktorizismus vorweg.

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