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Merkwürdige Worte

unknownIm Grunde war es nur eine Hausaufgabe im Rahmen meines Kursus „Storytelling“, den ich zur Zeit belege. Aber aufgrund des großen Zuspruchs meiner Kolleginnen und Kollegen, traue ich mich doch, es zu veröffentlichen: mein erstes Drehbuch.

 

 

Die Kinder der Maria Theresia

 

Cast

Wolfram
Alter: Mitte, Ende der 20er, wohnt im westlichen Wienerwald (Tullnerbach oder so) wird wahrscheinlich das Tischlereiunternehmen seines Vaters übernehmen, daher neben seinem Wirtschaftsstudium auch Ausbildung in seinem ihm zugedachten Beruf. Sportlich, von ausnehmender Attraktivität und Wunschbild potentieller Schwiegermütter. Die sind allerdings, genauso, wie deren Töchter, abgeblitzt, als Lena, allerdings schon in deren frühen Jahren, die Bildfläche betrat.

Lena
Alter: 22 Jahre, die Anmut aus dem Wienerwald. Studiert, wie es sich gehört, Kunstgeschichte und Publizistik, ist eine patente Person, nicht auf den Mund gefallen, was ihr nicht zuletzt auch wegen ihrer Schönheit im aufkeimenden Nahkampf zugute kommt. Wolfram liebt sie deswegen und sie ihn auch.

Kaisers
Alter: ziemlich, Maria Theresia und ihre 16 Kinder, samt Gefolge. Ihr Glanz in Schönbrunn strahlt auch heute noch, und daher können sie manchmal nicht schlafen.

Deus ex Machina
Die letzte Rettung für Lena, bevor der wahre Held erscheint.

Helene Fischer
Konnten wir für diesen Film nicht persönlich gewinnen. Schlagersängerin und schlägt die sich manches Mal zu mitternächtlicher Stunde herumtreibende (s.o.) Kaiserfamilien an Grusel um Längen.

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Die Handlung, Storyboard

Wolfram und Lena, das Traumpaar aus dem Wienerwald, schicken sich an, ihren ersten gemeinsamen Ball zu besuchen. Das freut auch Wolframs Vater, der seinem Sohn für diesen Abend, zu dessen Gelingen er ebenfalls beitragen will, seinen funkelnagelneuen schwarzen Porsche 911 zur Verfügung stellt. Frohgemut nehmen die beiden die Reise nach Wien in Angriff, die allerdings vor dem Haupttor von Schönbrunn ein jähes Ende nimmt. Als Wolfram, wie es sich gehört, vor der Ampel, die ihm „Halt“ gebietet, auf das grüne Licht wartet, erstirbt der Motor des technischen Wunderdings und ist nicht mehr in Gang zu bringen.

WOLFRAM

(frustriert)

Verflucht. Gerade jetzt, wo wir doch pünktlich ankommen wollen, spinnt die Karre. Da wären wir mit meinem Zwetschgerl wahrscheinlich besser bedient gewesen. Jetzt, wo wir uns so schön gemacht haben.

LENA

(will vorerst in sein Lamento einstimmen, besinnt sich aber eines Besseren)

Hauptsache, wir sind beisammen. Und überhaupt: Ausgerechnet vor Schönbrunn eine Panne zu haben, hat ja auch etwas. Übrigens: Wir sind ja ganz alleine, keine Menschen weit und breit, kein Auto. Die Dunkelheit rundherum hat ja auch was, für uns beide, oder?

WOLFRAM

(lenkt ein, und der Frust ist verflogen, er sieht nur noch Lena neben ihm sitzen, in ihrer mädchenhaften Pracht, sieht ihr weißes Ballkleid, das wohl nur ihm gewidmet ist, ihr langes, blondes Haar, das ihr Gesicht umschmeichelt und das, und noch viel mehr, was er heute noch zärtlich streicheln wird)

Du hast recht. Lassen wir uns den Abend nicht verderben. Wir haben ja uns. Und vielleicht ist das kein schlechter Augenblick, ich wollte dich schon immer etwas fragen. Vielleicht ein ausgefallener Ort dafür, aber hier, ganz nah von Kaisers, gewinnt es vielleicht noch an Bedeutung.

(kramt etwas unbeholfen in der Tasche seines Smokings – auch der ist weiß, passend zu Lenas Ballkleid – und holt eine kleine Schachtel hervor)

Lena, möchtest du meine Frau werden?

LENA

(tut überrascht)

Wolfram, du sagst so schöne Sachen! Natürlich möchte ich deine Frau werden. Schon so lange. Eigentlich schon, seit wir zusammen auf dem Strandfest, erinnerst du dich noch?, all die anderen links haben lassen und …

WOLFRAM

(erinnert sich und das sehr gerne, wie er prompt zum Ausdruck bringt)

… freilich erinnere ich mich …

(streichelt zärtlich ihre Wange)

… und deshalb habe ich zum Zeichen unserer Verbundenheit … warte, ich bin nicht so versiert in diesen Dingen …

(öffnet die Schatulle, in der sich ein zarter Verlobungsring befindet und nimmt ihn heraus, überreicht ihn ihr)

… diesen Ring besorgt. Darf ich ihn dir …

LENA

(ist ganz außer sich, und kann es nicht erwarten)

Ja, jaaaa! Endlich ist es heute offiziell. Wolfram, Schatz, ich freue mich so! Wozu noch auf einen Ball gehen, wir haben uns, und das reicht! Und …

(lacht)

… Kaisers sind auch zugegen!

KAISERS

(Während sich die beiden, sich umarmend, küssend, ihrem Glück hingeben, ertönt aus dem Off leise Josef Haydns Kaiserquartett, die Situation bekommt dadurch auch Würde, bis sich aus dem Schloss heraus, man sieht sie noch kaum, Gestalten dem Paar nähern. Ihre Kleidung, bei genauerem Hinsehen wird man bemerken, dass sie barock anmutende Kostüme tragen, abgenutzt, zerschlissen. Angeführt werden sie von einer etwas dicklichen Frau, der 16 Gestalten folgen, zum Teil kleine Kinder. Es handelt sich bei dieser Gruppe um Maria Theresia und ihre Kinder, und ihnen folgt dann der gesamte Hofstaat ihrer Zeit, wodurch sich eine erkleckliche Menschenmenge ergibt, die sich dem Auto und den beiden Verliebten im Takt der Musik nähert.

Anzumerken ist noch, dass ein Familienmitglied, wir erkennen in ihr sofort Marie Antoinette, ihren Kopf im Arm trägt. Die Musik aus dem Kaiserquartett ändert ihren Charakter, aus Haydns Original entwickelt sich aufdringlicher Techno-Beat, der akustisch die Szenerie, gemeinsam mit dem Tross, beherrscht.

Sie sind auch verantwortlich dafür, dass sich der Porsche vorhin nicht mehr in Betrieb nehmen ließ, die beiden, Wolfram und Lena, scheinen der morbid-barocken Gesellschaft schutzlos ausgeliefert zu sein.

Doch in diese Phase, Lena erkennt die Gesellschaft noch nicht, hat auch Wolfram noch eine Wahrheit zu verkünden …)

WOLFRAM

(auch er beginnt sich, vorerst unmerklich für Lena, zu verändern und beginnt seinen schwerwiegenden Satz)

Lena, ich muss dir etwas gestehen. Ich bin etwas anders als viele Menschen …

(Die Veränderung schreitet voran, indem, nun schon deutlich erkenntlich, seine Haut sukzessive mit einem borstigen Fell überzogen wird, auch seine Gesichtsausdrücke ändern sich, und er mutiert immer mehr zu einem Ungeheuer, das einem gefährlichen Hund ähnlich – ein Werwolf!)

LENA

(schreit, als sie seine Metamorphose wahrnimmt, panisch auf und versucht, sich aus dieser Situation zu befreien. Doch sie hat, so scheint’s, keine Chance. Im Auto versperrt der ehemalige Wolfram ihr den Weg, von außen umringt die Kaiserfamilie mit Anhang das Gefährt und so bleibt ihr nur, voll Angst, das Grauen ist ihr ins Gesicht geschrieben, die Hände vors Gesicht zu schlagen, als wollte sie das nun Erlebte wegdenken, indem sie es schlicht nicht sehen will, kann.

Die Musik nimmt mittlerweile einen wichtigen Platz ein und vermittelt aggressiv die Lebensgefahr, in der sich Lena befindet)

WOLFRAM

(kann nur noch gurgelnde, gefährlich brüllende Laute von sich geben und fasst mit seinen Pranken unverhohlen nach Lena, die versucht, sich in der Enge des Autos vor ihm in Sicherheit zu bringen, nimmt wahr, dass sie nun eingekesselt ist, auch von außen und gerät in Gefahr, in Ohnmacht zu fallen)

HELENE

(Die Musik ändert sich in diesen Augenblicken, das entfremdete Kaiserquartett faded aus und man vernimmt den Refrain von Helene Fischers „Atemlos durch die Nacht“)

DEUS EX MACHINA

(Gleichzeitig verwandeln Geisterhände den schwarzen Porsche von Wolframs Vater in eine schwarze Kutsche mit Gespann aus acht Rappen, die diese Lena für die Flucht zur Seite stellen)

LENA

(erkennt in diesem Moment ihre Chance, schwingt sich in ihr neues Gefährt, treibt die Pferde an, sich in höchster Eile davonzumachen und entkommt schließlich durch die Nacht dem Spuk. Doch nur fast. Denn erst jetzt erkennt sie den Preis. Denn sie, immer noch atemlos, scheint jetzt verdammt zu sein, ihre scheinbare Retterin bis ans Ende ihrer Tage als vermeintlichen Ohrwurm in ihrer Seele aufnehmen zu müssen)

WOLFRAM

(rüttelt Lena zärtlich, die in ihrem Sitz eingeschlafen ist)

Lena, wach auf! Der Pannendienst ist da.

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2015_02_21_Staub01 KopieNeulich wurde auch die Praterstraße vom WWF als Objekt der Begierde für sich entdeckt. Wir wissen, in Form von stets freundlichen, feschen, die Welt, wie es sich gehört, umarmenden Jungmenschen, die alles, was kreucht und fleucht, liebhaben, nur nicht mich und meine Brieftasche. Dieser Tage schätzen um die und schützen sie etwa unsere sich stets in Gefahr befindlichen Berggorillas.

Aber, so frage ich mich und die unwiderstehliche, glockenhelle Stimme im Zentrum der jungen, ansehnlichen und rundherum erfrischenden Erscheinung, die sich anschickt, mich von der Notwendigkeit einer finanziellen Zuwendung für unsere Freunde zu überzeugen, was aber geschieht mit der Population unserer um Stillen blühenden und, weitgehend von der Öffentlichkeit unbemerkt und nur unter größten Mühen gerade in unserer Zivilisationsgesellschaft zu existieren versuchenden Population der Staubmäuse? Kaum, dass es ihnen gelungen ist, in ihren verstecken Lebensräumen unter dem Bett, dem Sofa, dem Nachtkästchen, dem Bücherregal, dem Stereo-Altar ihr karges Dasein einzurichten und mitunter zwar Monate lang zu pflegen, nahen die Tage, zumeist bekannt als kirchliche Feiertage, etwa Weihnachten und Ostern, wie das sprichwörtliche Amen im Gebet. Dann rücken sie aus, die vom schlechten Gewissen geplagten, bewaffnet mit meist schwerem Geschütz, hier etwa Staubsauger, Besen oder Aufreibfetzen genannt, und trachten danach, der Staubmäusepopulation grausam den Garaus zu machen. Anstatt das leise Wehklagen der Verfolgten zu erhören, kennen die Ritter der sauberen Bude kein Pardon und verfolgen Maus um Maus, bis sie schließlich, erschöpft von der halbjährlich wiederkehrenden Mordlust nach Stunden des Wütens, zufrieden und ermattet ins Sofa neben dem Ort des Schlachtens versinken, zum Telefon greifen, und dem nächsten sich anbietenden nicht ohne Stolz von dem Gemetzel zu berichten und nach Lob heischen.

Oh schöne, junge Maid des WWF, denkst du nicht an deine, unsere Freunde des Zivilisationslurches, denkst du nicht an die friedvollen Perioden das stillen Zusammenlebens, wo die Knappen der Ritter der sauberen Bude, Meister Propper, Gräfin Ziff, und Häutpling Schlanker Besen so lange keinen Zutritt in ihre Reservate staubiger Eintracht erhalten, bis schlussendlich die Mordlust derer obsiegt, die Gebote der Sauberkeit zum Heiligen Fest zu achten. Um am Ende dieser Feiertage zu erkennen: aus Staub bist du gemacht, zu Staub wirst du. Jetzt und in alle Ewigkeit …

imagesIn der Leopoldstadt wurde bereits im ausgehenden 19. Jhdt. das Millionenrad, also die erste Version des nachmals so bekannten Nachmittagsspiels der Wiener mit großem Herz und kleiner Brieftasche erfunden.

Und zwar von einem russischen Migranten, der sich jenseits des Donaukanals, aber durchaus noch cisdanubisch angesiedelt hatte: Pjotr Rappowski, seines Zeichens geächteter und sozusagen personifizierter Spielteufel, scheute nicht davor zurück, der, stets dem christlich-katholischen Glauben huldigend gewesenen Gemeinde, ein Denkmal der Sünde zu setzen. Sogar der damalige Bürgermeister Karl Lueger zweifelte ob dessen Frivolität im Umgang mit den Millionen auf dem Rad an den christlichen Werten seiner Gemeinde und erklärte das uns mittlerweile so ins Herz geschlossene Gebiet zwischen Kanal und Strom kurzerhand zur Mazzesinsel.
Schalom.

erschienen auf spheniscidus am 16. November 2015Haifisch-SuiteJG klein

 

Lernardo da Vinci, Donna Lisa

Das Bild entstand 2010, als ich im Zuge eines Wettbewerbes, sich in Form eines Selbstbildnisses darzustellen, das meine dem Landesmuseum NÖ zur Verfügung stellte.

63805_1423486428698_1278853102_2975504_5498902_nMit Donna Lisa beobachtet Lernardo da Vinci den lasziven Blick der Vertreterin des Schönheitsideals aus dem 15. Jhdt. auf die Verehrer ihrer Epoche im ausgehenden Mittelalter, als der Geist des hohen Minnesangs der Begierde eines damals neuen maskulinen Selbstbewusstseins Platz machte und damit nicht nur der Darstellung popularkultureller Neigungen Tür und Tor zu öffnen begann. Donna Lisa als Sinnbild zum Ausleben der modernen Lust, Donna Lisa, dargestellt mit souveränem Blick einer durchaus modernen Frau ihrer Zeit, welche die bewundernden Melodien, wie sie die Spatzen begannen, von den Dächern zu pfeifen, anstatt lyrischen und langatmigen Gedichten zu lauschen, die in der Botschaft ihrer Verfasser nicht auf den Punkt kommen wollten, großzügig gewähren lässt.

Damit gibt der Künstler auch Einblick in sein umfassendes Weltbild, leitet es sich zwar ab vom Zentrum seiner und der Begierde seiner männlichen Zeitgenossen, hinauf vom Äquator des volkstümlichen Verständnisses bis knapp südlich der zerebralen, bislang noch nicht erforschten Märchenhaftigkeit der Vielfalt des Daseins. Galt bis zum Zerfall des römischen Imperiums der menschliche Äquator als Sinnbild jeglicher Existenz, verlagerte sich dieser mit dem Einsetzen großen Völkerwanderungen imperialistischen Zuschnitts, durchwegs aus dem Norden Roms einfallend und die Ewigkeit des Zentrums menschlicher Zivilisation abrupt beendend, zunehmend und symbolisiert durch die Darstellung zeitgenössischer Künstler und in der Erinnerung an längst vergangene hannibalensiche Trampelpfade in ihrer Reziprozität folgend, alpenwärts. Ein schrecklicher Gedanke zu seiner Zeit, galten sie und ihre Pässe doch quasi als steinerne Vorhänge zwischen südlicher Zivilisation und nördlichem Barbarentum, wie uns die Geschichte auch späterer Epochen lehren würde.

Donna Lisa, positioniert im Zentrum zeitgeistiger Irrtümer ihrer Tage, jedoch erkennt das verwerfliche Szenario, in das sie hineingeboren wurde, lüpft zum Trotz schelmengleich ein frühes Dekolleté. Auch ihr „Io tu profumo“, das der Künstler stilistisch in krassem Gegensatz zur pastoralen Darstellung eines vor kurzem noch friedvollen ruralen Ambientes im Hintergrund seines Modells herangezogen hatte, lässt die neuen Reize urbanen Lebens, das den wandernden Gauklern fortan ebensolche Kompetenz verleihen soll, bereits erahnen. Er fasst quasi mit einem Pinselstrich zusammen, bringt das Dasein im modernen Lebensgefühl der alpinen Spaßgemeinschaft zeitgeistig auf einen zentralen Punkt und nimmt somit die kommenden Jahrhunderte bereits jetzt visionär im später nach ihm benannten Olfaktorizismus vorweg.

DSCF7993Ein Sturm des Mitgefühls erhob sich für das tolldreist scheinende Forscherteam, als Wissenschaftler aus aller Welt von dem Vorhaben der ambitionierten Teufelskerle erfahren hatten. Stand es doch in den Sternen, ob sie jemals ihr Ziel erreichen würden.

Denn schon die Vorbereitungen der Expedition gestalteten sich als durchaus kompliziert, galt es doch, dem vermittelten unwegsamen Gelände der Antarctica, noch dazu im Halbjahr des gleißenden Sonnenlichts, mit und in der richtigen Ausrüstung paroli zu bieten. Als durchaus erfinderisch erwies sich das Team daher in der Auswahl der Werkzeuge, die mithelfen sollten, unwegsames Gelände und dessen Inhabitanten gleichsam zu domestizieren. „Schwammerlmesser,“ erklärte Génie, dessen Name bereits zu Lebenszeiten Programm war, und zeigte es stolz seinen Expeditionskollegen. Wiewohl er es schnell in der Seitentasche der, wie übrigens sämtlicher Rest seiner Forscherbekleidung auf Taille geschnittenen Forscherhose verschwinden ließ, erklärte sich die Notwendigkeit der Disapparence in der Folge von selbst. In der Zwischenzeit übernahm Génie rasch die Führung der Forschungsreise und geleitete die Gruppe fortan auf geschwungenen Wegen, welche die Treffsicherheit neuzeitlicher Navigationsinstrumente mit Leichtigkeit überflügelte, auf mehrere Holzwege (später sollte er behaupten, seine Begleiter bewusst nicht in die Irre, sondern im Kreis geleitet zu haben, damit sie das Zentrum des Seins schon per Seitenblick erkennen mögen).

Da sich das Team jedoch, wie die beobachtenden Satelliten der Wissenschaftskollegen erkennen konnten, nicht konzentrisch fortbewegte, sondern wahrnehmbar und der Sehnsucht des Expeditionsleiters folgend, in Schwammerl suchenden Meandern, die schließlich in Form ungenießbarer, so genannter Austeritätspilze belohnt wurde, begegneten die Forscher schließlich beiläufig einer eleganten Spezies an autochthonen Einwohnern jener unwirtlichen Gegend, weithin bekannt als Flying Platschmen, welche das Trio mit Anstand begrüßen sollte (sh. Abb.: Génie im Kreise der Seinen und sein Werdenden) und sich mit Génie & Co. spontan fraternisierten.

„Es erstaunt mich nicht,“ zeigte sich Génie über die Begegnung erfreut, „dass es uns dank meiner Zielstrebigkeit und dank der Ausdauer meines Teams gelungen zu sein scheint, bereits vor den Stunden spirituellen Beisammenseins in den Genuss sinnerweiternder Halluzinationen gelangt zu sein. Besonders freut es mich daher auch, dass ich die Existenz narrischer Schwammerl auch jenseits des Grachtenlandes, des Epizentrums psychedelischer Lyrik, nachweisen konnte.“

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Eines Tages begegnete ich zu später Stunde meinem Nachbarn und Weggenossen Jean Génie, der mir spontan eine Geschichte erzählte, wie sie phantastischer nicht sein kann: Just während der Tage, als unser aller (naja, der damals noch jungen Mädchenschar) Schwarm und Held Winnetou in Gestalt seines Alter Egos Pierre Brice uns verlassen hatte, dem Sonnenuntergang und seinen Jagdgründen entgegengeritten war, da begegnete er ihm: Old Kletterhand.

Schon seine Kindertage zeichneten ihn als einzigartiges Talent aus, den seinen Mitmenschen auf die und dann nicht mehr von der Pelle zu rücken, war sein Lebenszweck. So erkannte ihn sein unehelicher Vater Luis Trinker, der selbst die Geister der Berge zu meist später Stunde rufen hörte, in einer schwachen Stunde, doch noch des aufrechten Ganges mächtig, wieder, als jener sich anschickte die Rückwand des Trinkers Pelle zu erklimmen. „Aus dem Buam wird noch was,“ rief der Vater, selbst Bergfex, entzückt aus, und ließ fortan die Welt wissen, was er letztens für einen Wunderknaben der hochstrebenden Investigation gezeugt hatte.

So geschah, es, das ihm, dem zarten Knaben mit seiner gämsenhaften Behendigkeit, frei nach dem anderen Lügner, der Name Old Kletterhand zuteil werden sollte. „Kletterhand ist außer Rand und Band,“ riefen ihm die Dorfbewohner schon von weitem zu, wenn er, älter an Jahren werdend, keine Gelegenheit versäumte, seiner Leidenschaft, nämlich der Kunst des Besteigens aller Art, zu fröhnen. Er zerfranste sich im wahrsten Sinn des Wortes, und so blieb denn auch bisweilen seine züchtige Tracht in Form von textilen Kolletarelschäden vor allem im Rahmen von Erstbesteigungen, wenn er erkennen musste, dass sich der Gipfel seiner Lust als kalte Nordwand entpuppen sollte, auf der Strecke.

„Genug ist genug,“ sprach Luis Trinker und Ließ im ein Kostüm nähen, in das die Fransen seines Daseins geschickt verwoben waren und schickte den jungen Old Kletterhand in die Fremde, auf dass er der Welt seine Kunst offenbaren sollte.

„Verdammt, dann bin ich aufgewacht,“ schmetterte plötzlich Jean Génie, der doch so gerne erfahren hätte, wie die Geschichte des Helden seinen weiteren Lauf nahm. Und hier entpuppte es sich als äußerst vorteilhaft, dass Génie sich trotz seines hohen Alters einst entschieden hatte, sich der Fürsorge einer Angetrauten anzuvertrauen, welche die Gunst des Augenblicks erkannte, ihm blitzschnell eins mit dem Nudelwalker überzog, sodass er sich augenblicklich in Morpheus’ Obhut wiederfand …

(Fortsetzung folgt)

Brigitta von Frohgemut: Jakob P.

Das Bild entstand 2010, als ich für einige Zeit einen etwas anderen Stadtschreiber in St. Pölten geben sollte (anlässlich des 350. Geburtstag von Jakob Prandtauer). Obwohl daraus schlussendlich dann doch nichts wurde, entstand im Vorfeld dieses Bild für die Ewigkeit.

JakobAls einst der Sohn von Tiroler Bergbauern in jungen Jahren den Hof verließ um fortan als Maurergeselle durchs Leben zu gehen, erschien ihm eines Nachts der Gute Geist von der Traisen und offenbarte ihm seine Zukunft, die sich fern der Heimat, weit im Osten des Heiligen Reiches auftun sollte: „Gehe hin,“ sprach er „und erhöhe den Turm von St. Pölten! Denn, auch wenn es noch viele Jahre dauern mag, dereinst wird er kommen, der allmächtige Fürst unter der Enns und herrschen von dort über sein Volk in den Niederungen nah dem großen Fluss.“ Und so zog er gegen Osten, erhöhte den Turm der Stadt und errichtete den Bischöfen an der Traisen Gotteshäuser, wo sie wohlbeleibt den Untertanen von Bescheidenheit in De- und Armut predigen sollten.

Jahrhunderte später entdeckte die Malerin Brigitta von Frohgemut in den Annalen der Stadt die Aufzeichnungen des Kegels aus dem Hause P., der seinem Bruder, der dereinst solche Berühmtheit erlangen sollte, seinerzeit unerkannt gefolgt war und das Treiben von Jakob und dessen bösen Geist(lich)er mit spitzer Feder festzuhalten verstand. „Statt-Schreiber, so nannten sie ihn,“ berichtet die Chronik aus der Stadt des neuzeitlichen Fürsten, und so erfuhr sie allerlei Pikantes über die Kunst des Zubereitens der an Variationen reichen leiblichen Genüsse für die Gesellschaft, was der Kegel vorzüglich niederzuschreiben verstand.
Die Künstlerin abstrahiert auf der Darstellung des Statt-Schreibers in Form eines das Universum andeutenden rondeau éternique, vor dem sie ihn platziert, nachdenklich zwar, doch mit einem schelmischen Lächeln im Antlitz erinnert er sich an die vergangene Nacht, der er als aufmerksamer Beobachter bei Rang und Namen beigewohnt hatte: demnach gewinnt die Mehrdeutigkeit des Gänsekiels aus ihrer Feder an Bedeutung. So schlägt sie in der Diagonale, die sie spannt, eine Brücke zwischen dem vor dem Schreiber liegenden und auf seine Worte wartende Manuskript und die zu vermittelnden Neuigkeiten, die dieser gedenkt, schon bald dem Herold der Stadt zu übermitteln und errichtet so die Grundlage zu den pythagoräischen Schenkeln der Dreifaltigkeit. Doch, Einhalt sei geboten, vermittelt uns von Frohgemut, denn tief unten, dort, wo das Universum seine Schurkengesellen beherbergt, lauert in Form eines pechschwarzen Tintenfasses die Sünde der weltlichen Vertrauten der Heiligkeit und schickt sich an, quasi zur Hypotenuse des göttlichen Ganzen reifend, die Erbsünde nach St. Pölten zu tragen.
So bleibt allein der Kegel, zwar selbst einer Sünde entsprungen, dargestellt in seinem weißen Hemd und nur scheinbar wirrem Wuschelschopf, der frei ist in seinen Gedanken und ohne Fehl und Tadel im Pfuhl der Fürstenstadt, zu der sie dereinst heranreifen sollte.