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Schlagwort-Archive: wfr Neue Medien

IMG_2053Nun bin ich ja  schon seit mittlerweile 3 1/2 Wochen rauchfrei. Grund genug, mir um das Geld, das ich
ansonsten verpofelt hätte, dieses alte Stück zu kaufen.

Ich nenne es ob der potentiellen Sklavenbefreiung
vorauseilend „liberté toujours“ …

Anstaltsreport I

IMG_1723Zwischen Lambach und Vorchdorf verbindet die nach einer ihrer Destinationen benannte Eisenbahn, die so genannte Vorchdorfbahn, die Welt mit einem Stück Salzkammergut. Und damit auch längst vergessen geglaubte Kindheits- und Bubenträume.

Wie es in geschlossenen Anstalten in den letzten Jahren mehr und mehr gebräuchlich wird, gelangen auch wir Insassen der Anstalt in den raren Genuss eines der raren Freigänge. Mir gelang es, im Rahmen eines Schnapsturniers meinen glücklosen Gegner einige Bettlaken abzugewinnen, welche die Basis für wenige Stunden Freiheit bilden sollten. Ich knotete sie noch in der Nacht von schwarzem Freitag zu Sonne verheißendem Samstag zusammen und seilte mich bei Morgengrauen ab, machte die Mücke, gab IMG_1776Fersengeld und stahl mich mir nichts, dir nichts, einfach davon, von dannen.

Noch zeigte mir der später sonnige Samstag seine kalte Schulter, aber ich ließ mich nicht beirren. Meinen Weg hatte ich schon gestern vorgezeichnet, und von dem ließ ich mich nicht abbringen: schon vor einigen Tagen fielen mir die antik anmutenden Garnituren von Triebwagen der Regionalbahn auf, so alt, dass ich trotz ihres Kleinwuchses im Industriedesign der 60er Jahre ehrfurchtsvoll zu ihnen aufblickte und noch einmal wünschte, ihr Lokführer werden zu dürfen.
Wenn ich einmal groß sein würde, selbstverständlich.

Heute war allerdings kein Papa da, der mich liebevoll auf seine Schultern hob, um mir einen besseren Überblick zu verschaffen, heute war der Kleine ganz IMG_1730auf sich alleine gestellt. So klopfte sein Herz noch einmal vor Aufregung bis zum Hals, als er das alte Vehikel, Lokomotive und Waggon in einem, erklomm. Er vermeinte durch die den Fahrgastraum erwärmenden Sonnenstrahlen den typischen Ledergeruch zu schnuppern, das Quietschen der Federn in der Sitzpolsterung zu vernehmen, das Vibrato des kleinen Fernwehs auf seinem Weg nach Lambach.

Aufgeregt schoss er Bild um Bild, bat den Zugführer, vorne in der Kanzel mitfahren zu dürfen und machte sich als Mittfünfziger unter der Schar Schülerinnen und Schüler, die ihr tägliches Transportmittel von deren Anstalten nach Hause täglich eher gelangweilt konsumierten und in dem Verrückten aus Wien heute eine sie belustigende Abwechslung sahen.

Das Ziel der Reise stand zwar fest, es sollte ein IMG_1734Ausflug nach Lambach und wieder zurück in die Anstalt werden, aber im Grunde war die Destination dieses Tages egal, den es war der Weg, der für mich bereits das Ziel darstellte. Und da war ich schon längst angelangt: In meinem Traum lenkte ich das Geschick von Bahn und Passagieren, war Herr und Gebieter über die Reise auf den Schienen durchs Salzkammergut, schaltete und waltete umsichtig über unsere Reisegeschwindigkeit, erkannte konzentriert den Wildwechsel, ließ den Triebwagen weit vernehmbar pfeifen, wenn wir uns den Bahnübergängen näherten während die Automobilisten schon ungeduldig darauf warteten, endlich die Gleise überqueren zu dürfen. Mit unbeschreiblichen 60 km/h ging die Jagd dahin.
In Stadl Paura hatte sich ein Teenager zu den beiden Mädels im Waggon hinzugesellt und versuchte IMG_1704linkisch, sich ihnen gegenüber in ein möglichst interessantes Licht zu rücken. Was von ihnen kichernd quittiert wurde. Die sprichwörtliche alte Bäuerin mit ihrem zu transportierenden Hühnerstall gibt es in unseren Tagen natürlich nicht mehr, aber dafür die touristische Wandergesellschaft mit beinhahe hannoveranischem Zungenschlag und das Pärchen, das zart umschlungen auf die kommende Station wartete: Bad Wimsbach Neydharting, „Da wohnen wir,“ gab er mir zu verstehen und deutete an, dass es auch für mich Zeit wäre auszusteigen, wollte ich rechtzeitig zum Abendessen in der Anstalt einlangen.

Ja, die Anstalt erwartete mich wieder. Ob die Bettlaken bereits für einen Mitinsassen geknüpft waren? Oder noch einmal für mich? Vorchdorf wäre die nächste reizvolle Destination … und dann bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter: nach Gmunden, direkt zum Bahnhof am Traunsee …
(wfr)

HCF schrieb am 26. Februar 2015:

poesie dem frühaufstehendenbergbauernmilch2Mail Kopie

Ich sah sie unter dieser Eberesche
Gut gebaut – a echte Fesche
Grosse Euter – grosse Augen
Tat jedem Mann so taugen
Ich aber ging fromm und heiter
da ohne Sünde weiter

Doch in meinen Träumen lässt sie mir keine Ruh
Diese wunderbare Fleckviehkuh!

Des Bauern Sehnsucht (ein Hirtentraumgedichtlein)

 

wfr antwortete am 26. Februar 2015:

Aw: poesie dem frühaufstehehenden

Immer, wenn ich auf ein Euter blicke,

denke ich, wie ich auf die Schnelle
und mit einer großen Kelle
aus dem Topf der Bäuerin Rosamunde,
nachdem ich eine Runde
um die Maid geschlichen,
keinen Millimeter abgewichen,
versuche, sie zu stören,
mit listigen Worten zu betören,
bis mir das rustikale Ziel gewiss:
Wie Dracula mit einem Biss
sich sein Mädchen nahm,
so bin auch ich nicht lahm
und vollbepackt mit Mut und Mumm:

Allein, der Mund bleibt stumm …

 

 

HCF schrieb am 21. Februar 2015:

rauscherchens rückkehr nach wien – ein triumph-zug

von der unterwäsche-firma triumph gesponsert
und von mir inszeniert
damit sich keiner viel geniert

ein kisterl von feinster hochpromille
steht vor seiner tür
trink er bloss soviel er wille

dazu zigarren aus kuba
und ein swinguinorchester
alle mit ner tuba
blasen ferkeln und tun tröten
bis sich die morgen röten

auch zigaretten
stangenweise angeboten
endlich hat rauscherchen
wieder was zum schloten

vorbei die unnöti kur
ab jetzt:
hedonismus pur!

Xundthäut!

 

wfr antwortete am 26. Februar 2015

Aw: rauscherchens rückkehr nach wien – ein triumph-zug

Genieren Sie sich, Herr Génie!
Einem Saulus auf dem Weg zum Paulus,
den verführe man nie!

Mag sein Sinnen auch beseelt von Gutem sein,
er weiß jedoch, so wie weiland wird es nimmer sein.
statt Saufen bis zum Koma,
erfüllt ihn jetzt das Kräuteraroma.

Statt Poveln, bis die VOEST abstinkt,
ist’s die Kanne Tee, sie, die selbst vor Scham versinkt.
Denn mitten im Gebüsch von Räucherstäbchen
räkeln sich am Sofa Mädchen,
gesandt vom frommen Frauenverein.

Und die lassen weder Schall, Rauch und Wein
… äh: rein.

Darum Jean und Jacques, Männer und Génies!
Seid zum Rauscher nicht so fies!
Jahr und Tag war er einer der euren,
und wird es bleiben, kommt, tut euch freuen!

 

Elisabeth Schönherr liest aus Tod im Teehaus07-ev002 geraume zeit umschlag.indd

in der
Loos Bar
am 4. März 2015, ab 20:00 Uhr
1010 Wien, Kärntner Durchgang 10

Elisabeth Schönherr und ihr Romandebüt Tod im Teehaus fanden in den vergangenen Monaten nicht nur Beachtung, sondern auch Anerkennung in ihrer Community. Einhellig teilt man die Meinung, dass neben der Kriminalstory im Wiener Zen-Milieu vor allem die kompetente und nicht zuletzt auch kritische Beleuchtung dieser fernöstlichen Traditionen nicht erlauben, das Buch zur Seite zu legen …

Demnach wollen wir Sie/euch einladen, an der spannenden Neuentdeckung teilzuhaben. Es zahlt sich aus, die Kanne mit Grünem Tee zu füllen und ihr das Wochenende zu widmen. Die fundierte Auseinandersetzung Elisabeth Schönherrs mit dem Zen-Buddhismus in Japan und in unseren Gefilden sowie ihre engagierte gesellschaftskritische Betrachtung regen zum Nachdenken über religiöse Dogmen an.

Marianne Kohn, die Betreiberin der Loos Bar, hat im Herbst 2014 ihren Wiener Salon in der Loos Bar eingeführt, in dessen Rahmen von ihren literarischen Freundinnen und Freunden seither jeden Mittwoch um 20:00 Uhr erlesen gelesen wird. Wir freuen uns daher besonders über die spontane Einladung und wünschen ihr für 2015 einen Riesenerfolg!

Bitte um Beachtung: in der Loos Bar herrscht enden wollendes Platzangebot, daher bitten wir um verbindliche Zusage bis zum 4. März, nachmittags: wolfgang.rauscher@gmx.net

Übrigens:
Wir haben es mit dem Cover von Elisabeth Schönherrs Tod im Teehaus auf die Shortlist der Kür zum Bloody Cover 2015 geschafft. Jetzt läuft das Publikums-Voting über das schönste Krimi-Cover und wir können natürlich jede Stimme gebrauchen, um uns gegen die Konkurrenz durchzusetzen:

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Bis zum 15. Mai kann unter http://www.krimi-forum.de abgestimmt werden. Auf die Plätze, fertig, los!

(wfr)

Für Wolfgang & Heinz

Noch im Vormärz des Jahres erreichte uns in diesen Stunden eine vermeindliche Sensationsmeldung, die uns nicht nur stutzig machte, sondern auch anregte – stets der Wahrheit verpflichtet – hier investigativ tätig zu werden.
Sorry, Salomon, du Veroneser …

Sensationsmeldung aus der SPEZEREI!Lunzerbesteig
Soeben erreichte uns die Nachricht, dass es einer fünfköpfigen internationalen Seilschaft gelungen ist, die Lunzer Nordwand auf einer völlig abgedrehten Route zu durchqueren. Die Lunzernordwand mit einer Höhe von sechs Achteln und einem Schwierigkeitsgrad von 13,5% galt nicht nur in Gols, sondern bislang im ganzen Burgenland als unbezwingbar. Umso stolzer sind wir auf die ersten Exklusivfotos die das Erreichen des Gipfels der Genüsse zeigen.

Außerdem möchten wir darauf hinweisen, dass wir unser „Rom Citta Eterna“ Februar-Degustations-Menü nur noch bis Ende der Woche servieren: http://spezerei.at/News.pdf Wir wünschen noch eine angenehme Arbeitswoche, freuen uns auf Ihren
Besuch und senden

LG aus der SPEZEREIimage012
Die Salomon-Brothers
—–
„Beständig! Nicht trendig!“
SPEZEREI Wolfgang Salomon
Karmeliterplatz 2
1020 Wien
Tel: 0699/17200071
http://www.spezerei.at, office@spezerei.at

 

Richtig ist vielmehr:Unknown

Erstbesteigungen gestalteten sich im Burgenland traditionell eher schwierig, weil die burgenländischen Bergsteiger, als sie versuchten, sich in Seilschaften zusammenzufinden und um sich auf die Suche nach Bergen in ihrer Heimat aufmachten, oftmals enttäuscht nach unverrichteter Arbeit nach Hause zurückkehren mussten und an den Stammtischen der Neusiedler Seewirten ihr Leid klagten, tektonisch gegenüber den Alpen-, Dolomiten- und den nahen Karpatenländern aufs Grauslichste benachteiligt worden zu sein.

So tief war ihre Traurigkeit und so hoch übers Ziel hinausgeschossen ihr Ansinnen doch einmal in ihrem Leben einen 13er zu besteigen! Als schließlich Ferdl, der Bergknappe, einwandte, sich an die 13 Töchter vom Horvath-Bauern zu wenden und diese zwischendurch zu besteigen, erschollen erzürnte Proteste seitens der Stammtischrunde, deren Vertreter alle der Horvath-Sippschaft angehörten und zu sehr die Rache der Horvath-Bäuerin fürchteten, die das 13er Besteigungstreiben schon alleine deshalb nicht gutheißen konnte, weil sie quasi als No. 13,5 im weiblichen Familienverband an dem Bergtreiben wohl nur am Rande berücksichtigt werden konnte.

„Da muss der Lunzer her“, befand Sepp der Andauer, der im Land um den Neusiedler See bekannt war für seine pragmatischen Entscheidungen, die seinen Landsleuten schon oft Kopf und Kragen gerettet hatten. „Wir haben keine Berge, doch wir haben 13 Jungfrauen. Mit der Horvath-Bäuerin haben wir jedoch ein Hindernis, das selbst die Dolomitenkaiser aller Generationen nicht überwinden könnten (soll heißen: hier würde der Trenker glatt zum Trinker …),“ gab der Andauer zu bedenken.
„Wir wären keine Burgenländer, wenn wir nicht eine burgenländische Lösung, die zum Wohl der 13 Horvath-Mendscher, zur Zufriedenheit der Horvath-Bäuerin und zur Befriedigung der Bergknappen gereichen könnte: Wenn die Burschen schon nicht selbst privat abfüllen dürfen, so lasset den Lunzer gewähren! Seine Privatfüllungen füllen auch ab und regen Seele, Geist und Phantasie an, damit die Buben, abgefüllt, die Gewissheit haben, abgefüllt zu haben und nicht worden zu sein.“

Frenetisch waren Zustimmung und Hallo der Stammgäste, vergessen die bitteren Tränen der Bergknappen … aber unbedankt der Wille und die Bereitschaft der 13 süßen Horvath-Töchter, sich Gipfel und Kipferl mit den 13 Pannonisten zu teilen. (wfr)

—-
wfr neue Medien
Kommunizieren mit Charisma
Wolfgang F. Rauscher
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Eines Tages gelüstete es König Tassilo
, zum Frühstück wieder einmal eine echt gute Marmelade aufs Brot zu streichen. Nicht die, welche die Königin Mutter mit ihren gleichaltrigen, verzopften Hofdamen letztes Jahr zubereitet hatte und von der sie meinte, so lange die nicht aufgegessen sei, gäbe es keine frische, und wenn die Saueräpfel in diesem Jahr den Spatzen geopfert würden. Saueräpfel! Wer hatte davon jemals gehört, geschweige denn, sie essen müssen! Und ausgerechnet er, König über Wald, Wiese, Dorf und den Drachen Jonathan, musste das Regiment der alten Dame ertragen.

Nein, eine saftige, sündig süße Marillenmarmelade sollte es sein. Das war heute sein Beschluss, und, auch wenn er, gerade im Hinblick auf die Königin Mutter, zwar schon oft entscheidungsfreudig, aber letztendlich doch schwach in der Umsetzung war, so wusste er: Ab nun würde alles anders. Um ehrlich zu sein, ihm war bereits vor einiger Zeit zu Ohren gekommen, dass in einem Land, gar nicht weit von seinem Schloss, oben auf dem nicht allzu hohen Berg über dem Wald, wo sein Lieblingsfeind, der Drache Jonathan sein tollpatschiges Unwesen zu treiben pflegte, eine Prinzessin, wohl auch schön anzusehen, in ihrer Anmut aus goldblondem Haar, warmherzigen Augen – und überhaupt liebenswert – kundig war, die wohl beste Marillenmarmelade auf dieser Welt zuzubereiten. Nun, die Voraussetzungen mussten wohl auch günstig sein, denn sie lebte in einem Land, in dem einander Sonnenschein und lauer Frühlingsregen freundschaftlich die Hand reichten, damit die Früchte wohl gedeihen mochten. War es ein Wunder, wo doch die Marillenprinzessin mit ihrer Güte und mit Umsicht ihr Land segnete, sich auch darum bemühte, dass es Land Leuten gut ging.

Genug geträumt, Tassilo, sprach er nun zu sich selbst. Es ist höchst an der Zeit, die Pferde zu satteln und sich auf den Weg zu machen. Kurz dachte er daran, seine beiden Kinder nebst kleinem Hofstaat mit auf die Reise zu nehmen.
Von dem Gedanken verabschiedete er sich allerdings ganz rasch, denn er hörte schon das Gezeter der Königin Mutter, die es nicht nur darauf anlegen würde, ihm die Reise zu verwehren, sondern auch den gesamten Hofstaat gegen ihn aufbringen würde, auf dass er den unseligen Vorrat verputze. Sie schaffte so etwas in Windeseile, denn nicht nur er beugte sich ihr in der Regel, wenn auch widerspenstig, sondern natürlich auch die gesamte Gefolgschaft. Daher musste es eine Nacht- und Nebelaktion werden, die ihn dann schon kurz vor Morgengrauen das Schloss, zum Glück kannte nur er das geheime Tor hinten am Nordzipfel, wo man hurtig entwischen konnte, ohne dass ihn jemand bei seinem Vorhaben beobachten konnte, verlassen ließ. Das Problem war nur, der Nordweg hinunter ins Dorf führte auch geradewegs vorbei an Jonathans Höhle, und der Hallodri würde gerade zu dieser Stunde gewiss noch nicht den Schlaf der Ungerechten schlafen, sondern darauf lauern, wie man der Welt wohl wieder ein Schnippchen schlagen könnte. Vor allem König Tassilo eines auszuwischen, das schien sein Lebensinhalt zu sein.
Sein Lebenselixier war es jedenfalls.
Tassilos Pferd war zwar geübt, sogar auf beschlagenen Hufen einer Katze gleich um die Höhle zu schleichen, aber der Drache war auf der Lauer, und einmal schien es doch ein wenig zu laut geklappert zu haben: „Wohin des Weges, Tassilo?“ fragte der schuppige Geselle scheinheilig. Gut, der König hatte sich wohl heute nicht zum ersten Mal aus dem Schloss geschlichen (denn der Königin Mutter wenigstens bisweilen zu entkommen, dafür kann man leicht Verständnis aufbringen). Und Jonathan genoss das verdrossene Gesicht Tassilos, der, seinerseits darum bemüht, die Situation zu bagatellisieren, meinte: „Mein Pferd! Mein Pferd! Es wurde schon Tage lang nicht ausgeführt, und so nutze ich die frühe Stunde für einen Ritt ums Königreich. Du weißt ja, es ist nicht so groß, und um diese Zeit stören wir auch nicht die Menschen aus dem Dorf, die nach der Arbeit ihre Ruhe wohl verdient haben.“
„Und nachdem du dein Königreich abgeritten hast, wohin geht die Reise dann?“ Jonathan hatte natürlich den Ranzen mit etwas Proviant auf dem Rücken des Königs augenblicklich wahrgenommen.
„Du solltest ja wissen, so klein ist mein Königreich nun auch wieder nicht, so dass ich mir auf halben Weg ein Frühstück gönnen möchte, bevor ich wieder auf mein Schloss zurückkehre“, log Tassilo. Vielleicht war er ein schlechter Lügner, oder aber Jonathan verspürte einen ersten morgendlichen Appetit, oder sein durchtriebener Instinkt sagte ihm, dass da wohl noch mehr zu holen wäre.
„Weißt du, mein König“ tat er auf einmal ganz unterwürfig, „ich denke, du brauchst Schutz vor wilden Tieren, die hier allnächtlich ihr Unwesen treiben, und so. Und da bin ich genau der Richtige für dich.“
„Nein, nein, die Wölfe sind schon vor Jahrzehnten von uns gezogen, weil du, mein tapferer Recke und Drache, aus dem königlichen Wald sie doch vertrieben hast“ schwadronierte Tassilo, verzweifelt um Schadensbegrenzung bemüht

So zog sich die Conference noch eine geraume Zeit dahin, bis Tassilo, wie immer übrigens, sein Handtuch warf und den Drachen einlud, ihn auf seiner Reise zu begleiten. Vielleicht waren sie insgeheim ja doch ganz gute Freunde, und so ließ sich der König sogar hinreißen, ihm von seinem Vorhaben zu erzählen. „Marillenmarmelade!“ schnalzte Jonathan mit seiner feurigen Zunge. Und noch einmal: „M-A-R-I-L-L-E-N-M-A-R-M-E-L-A-D-E !“ Er war in seiner Begeisterung für das, was da auf ihn warten mochte, nicht zu bremsen.

Man kann sagen, die Reise verlief im Großen und Ganzen ohne Zwischenfälle. Im Großen und Ganzen, für Tassilos Begriffe natürlich, für unsereins wohl sicher nicht, denn Jonathan zeigte sich natürlich wieder von seinen besten Seite.

Gegrillte Äpfel bereitete er gewöhnlich zu, indem er kurzerhand den ganzen Baum abfackelte, denn er konnte, wie es sich für einen Drachen gehört, auch Feuer speien, und die Bienenstöcke entledigte er seiner Einwohnerinnen, indem er ihnen lauthals bedrohliche Hornissenklänge vorsummte. Denn ohne Honig auf den Apfel, wo kommen wir den da hin? Wenn Tassilo es dann doch wagte, durch ein Dorf zu ziehen, dann benahm sich Jonathan ganz gesittet, und es kam dabei natürlich ohne Absicht die eine oder andere Scheune zu Bruch. Zum Glück hatte der König für solche Fälle auch einige Goldmünzen dabei, mit denen er dann die Bewohner im Dorf zufrieden stellen konnte.
Doch meist jedoch schliefen sie ohnehin unter freiem Himmel, das Wetter meinte es gut mit ihnen, und man merkte, dass es nicht mehr weit war ins Land der Marillen und der Prinzessin.

Da war er, der mächtige Strom, der ihnen den Weg weisen sollte.
Jonathan, ansonsten, was das Wasser betraf, eher reserviert, weil damit ja auch Baden und Schuppenschrubben verbunden war, geriet schier aus dem Häuschen, nahm einen gewaltigen Anlauf – einen sehr gewaltigen Anlauf – sehr gewaltig! – und sprang mit einem Satz nur gewünschter Anmut und einem Platsch direkt auf das Fischerboot. Zum Glück konnten sich die Menschen noch rechtzeitig durch einen Sprung ins doch sehr kalte Wasser vor Jonathans dicken Wanst und den damit verbundenen Schmerzen retten, aber das Fischerboot, das war perdú. Nun ist es ja nicht so, dass es dem Drachen nicht letztendlich dann doch peinlich war, sobald er merkte, was er in der Regel angestellt hatte … Aber dafür war später Zeit, jetzt musste das kühle, erfrischende Nass genossen werden. Mit lautem „Ah, mmmmh, erfrischend, Tassilo, komm auch rein, das Wasser ist echt, hmmmm, mega!“ ließ er den Zorn des Königs jedoch nur noch mehr wachsen, welcher natürlich wusste, dass er wieder um einige Goldmünzen ärmer war und der Tag wohl mit verzweifeltem Bemühen endete, die Fischer wieder zu versöhnen. Andererseits, heute Abend sollte es Steckerlfisch geben, denn der König hatte den kaputten Kahn mitsamt dem Fang erworben. Und dann doch ein paar neue Freunde, denn die Pertijünger zeigten sich zufrieden mit ihrer Entschädigung und spendeten überdies noch einige Krüge erlesenen Weines. Immerhin befand man sich hier auch in einem Land, wo man es nicht nur verstand, hervorragende Marillenmarmelade zuzubereiten, sondern auch einen Wein zu keltern, der seinesgleichen auf der Welt suchte.

Nach einigen Humpen vom goldenen Labsal rollte sich Jonathan, rülpsend und zufrieden grunzend, ein, und es dauerte nur wenige Augenblicke, bis seine Äußerungen des Wohlbefindens nach einem gottvollen Abendmahl in mark- und die Erde erschütterndes Schnarchen übergingen. Heute war ihm Tassilo dafür gar nicht gram, denn er konnte sowieso nicht einschlafen. Zu aufgeregt war er: Dachte er an sein erstes Frühstück im Schloss, das veredelt wurde durch eine Portion dieser herrlichen Marillenmarmelade? Oder dachte er vielleicht sogar insgeheim noch mehr an die Anmut der Prinzessin, die ihn verzaubern würde, wenn er zum ersten Mal in ihre Augen blickte? Oder träumte er gar, für immer unter ihrem gütigen Blick das Frühstück, die Marmelade …? „Jetzt ist es aber genug“ sprach er mit fester Stimme zu sich selbst. „Die Prinzessin sorgt sich um ihre vielköpfige Kinderschar, um ihr Volk und dessen Wohlbefinden, und du hast gar schlimme Gedanken.

Tassilo!“

Also versuchte er eine lange, schlaflose Nacht lang, das, was er so verboten dachte, zu verwerfen, und am nächsten Morgen, als ihn die laue Sonne im Marillenland weckte, wusste er auch, wie er die Marillenprinzessin mit festem Blick und ebensolcher Stimme begrüßen würde.
Jonathan wachte dann auch auf, grunzte sich noch einen, und die letzte Etappe war dann auch bald hinter sich gebracht.

Und da stand sie auch, voll ebenso bescheidener wie majestätischer Anmut und blickte König Tassilo gütig in seine Augen, der sie, er hatte sich doch so gut vorbereitet, mit kaum fester Stimme begrüßte: „Grxmpfzpfzt …“ (wfr)